Herzchenkaffee und wundervolle Menschen

Mittwoch, 28.05.2014

Seit dem 5. April arbeite ich vollzeit in einem der drei Café Crêpe in Downtown auf der Robson Street. Es war tatsächlich mein erstes Jobinterview, was ich hier hatte. Ich bin mit meinem Lebenslauf in den Laden spaziert und habe mit einer der Manager gesprochen, am gleichen Tag habe ich noch eine Mail bekommen mit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das habe ich dann mit dem General Manager führen dürfen und nach 5 Minuten war es auch schon vorbei. Sie würden sich in 3 Tagen bei mir melden, haben sie aber nicht. Also bin ich noch einmal hin, um nachzuhaken und genau das war ausschlaggebend für meine Einstellung.

Ich arbeite am Wochenende als Hostess, was ein ziehmlich leichter Job ist. Meine Aufgaben bestehen daraus nett auszusehen und zu lächeln, die Gäste zu begrüßen und sie zu ihrem Tisch zu führen. Dafür muss ich den Überblick über die drei bzw vier Bereiche haben, immer wissen, welche Tische gerade verfügbar sind und aufpassen, dass die verschiedenen Kellner eine ausgeglichene Anzahl von Gäste zur selben Zeit in ihrem Bereich zu bedienen haben. Außerdem räume und putze ich die Tische ab, was die Kellner immer besonders freut. 'Hi, good morning! How many? 2? Sure! Would you like to follow me, please?' sind meine Standardsätze während meiner Schicht... Wenn es stressig wird, helfe ich den Kellnern auch, indem ich Drinks oder Essen zu den Tischen bringe. Und wenn gerade nichts ansteht, rolle ich Besteck, fülle die Salzstreuer neu auf oder mache andere Gelegenheitsarbeiten, die so anstehen.

Unter der Woche bin ich Barista, was eindeutig schwieriger ist. Meine Hauptaufgabe ist es Drinks vorzubereiten. Nebenbei bediene ich zum ersten Mal eine manuelle Kaffeemaschine, was ich superklasse finde. Es ist natürlich einfacher auf einen Knopf zu drücken, eine Tasse drunter zu stellen und einen Cappuccino zu bekommen, ohne große Anstrengung. Aber alles selbst vorbereiten macht viel mehr Spaß und schmeckt auch besser! Auch für das ToGo-Window bin ich zuständig, was mir nicht so ganz gefällt, da wir den ein oder anderen merkwürdigen Kunden haben. Fragen, wie 'Habt ihr Grünen Tee hier? Auch für auf das Crepe?', 'Blueberryjam Crepe, ist da Fleisch drin?' oder mein Favorit 'Habt ihr Crepe?' muss ich dann täglich über mich ergehen lassen. Ich wurde angelernt von Katie, einer kleinen koreanischen Frau, die unglaublich ist. Sie zaubert die perfekte Herzen auf die Kaffee Lattes, als gäb's keinen Morgen mehr. Wenn ich mit ihr arbeite und gerade einen Drink fertig zum servieren auf ein Tablett für die Kellner stelle, hat sie schon längst mein Chaos, was ich hinterlasse, während ich den Drink vorbereit habe, beseitigt. Sie hat mir einfach alles beigebracht, was ich wissen musste und das in einer unfassbar kurzen Zeit. Meine drei beidseitig vollgeschriebenen Lernzettel habe ich immer noch in meinem Portemonnaie, nur für den Fall der Fälle:

Als ich in meinen Trainingsschichten zum ersten Mal ein kleines Herz auf dem Kaffee Latte hinbekommen habe, war Katie ganz aufgeregt und stolz auf mich. Sie ist einfach die Süßeste! Hier ein Link zur Latte Art, Youtube du bist und bleibst der beste Lehrer, den man haben kann:

 

Meine Kollegen sind klasse! Ich habe selten so viele witzige und interessante Menschen auf einem Haufen gesehen und mit ihnen zu arbeiten macht so viel Spaß. Wir unternehmen oft was miteinander, wie zum Beispiel am Strand relaxen, in Bars gehen oder die fast wöchentlichen Lagerfeuer bei einem Kollegen zu Hause, Marshmallows grillen inklusive.

Bald werde ich angelernt als Kellner, ich kann es kaum erwarten! Ich vermisse es zu kellnern und ein Bisschen Extrageld durch das Trinkgeld ist ein angenehmer Nebeneffekt!

 

Hier der Link zum Café:

http://www.cafecrepe.com/Locations.html

Von Touri-Ausflügen, viel Bier und meinem neuen zu Hause

Dienstag, 15.04.2014

Die letzte Zeit war recht stressig für mich, da ich auf Job- und Apartmentsuche war. Deswegen seid nicht zu böse mit mir, dass ich so lang nichts geschrieben habe...

Ich habe mit meiner Zimmermitbeworhnerin Tabitha ihre letzten Tage in Vancouver verbracht und wir haben viel unternommen. Wir waren im Aquarium, im Stanley Park, am English Bay, in Deep Cove auf Quarry Rock, Granville Island und so vieles mehr. Mein absolutes Highlight war Quarry Rock. Wir fuhren mit dem SeaBus nach North Vancouver und von dort aus mit dem Bus noch eine gute halbe Stunde bis in das urige Örtchen Deep Cove. Dort gibt es einen 2km langen Power Trail über Stock und Stein, der nach einer Zeit einen schon ganz schön schafft. Und wenn man dann noch ständig von lebensmüden Joggern überholt wird, fühlt man sich alles andere als fit. Doch der gefühlte stundenlange Weg lohnt sich spätestens wenn man oben angekommen ist und den atemberaubenden Ausblick genießen kann. Dort verbrachten wir eine Stunde in der Sonne, um dann wieder zurück zum Hostel zu fahren.

Da ich euch nicht mit Touristenzeug nerven möchte sind hier nur ein paar Fotos vom Stanley Park und dem Aquarium:

Als meine Schulfreunde Nik und Maurice dann von Banff nach Vancouver kamen, verbrachten wir viel Zeit mit Bier und Hockey in Bars. Wir wollten auch zusammen ziehen für einen Monat, doch Pläne haben sich geändert und die zwei sind schon recht bald zurück nach Deutschland geflogen. Es war trotzdem ziemlich cool, dass wir uns noch in Kanada getroffen haben.

Nach drei Wochen Hostel konnte ich für fünf Nächte in einem Apartment von Freunden unterkommen. Es war Downtown und der Ausblick auf die Waterfront und North Vancouver war der Hammer! Außerdem war es eine gute und günstige Abwechslung zum Hostelleben.

Ich kehrte für eine Nacht ins Hostel zurück, um dann am nächsten Tag meinen eigenen Raum in einer WG zu beziehen. Man fährt leider eine gute Viertelstunde mit dem Bus von Downtown dorthin aber das ist nicht allzu tragisch. Ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, ob vor meinem Fenster zum Innenhof hin nicht doch Obdachlose wohnen und meine fünf Mitbewohner (es könnten auch sechs sein, ich will mich da noch nicht festlegen) sind entweder gewöhnungsbedürftig oder unsichtbar. Bisher habe ich erst mit dreien ein Gespräch geführt, die anderen verstecken sich recht gut vor mir. Mein Zimmer ist relativ groß, ich hab ein Bett, Schrank, Komode, Nachttisch, Schreibtisch und einen Stuhl und musste in der ersten Stunde hier schon 5 Spinnen und ein seltsames Tier, von dem ich nicht einmal den Namen weiß, töten. Ich wohne direkt an einem 7-eleven Supermarkt sowie an einem A&W Burger Laden und einem Pizza Laden, der Billig-Supermarkt ist auch nicht weit weg. Und an den 24/7 Gras-Geruch gewöhnt man sich auch unheimlich schnell! Home, sweet home...

Lynn Canyon, morgens in Vancouver und TJR

Sonntag, 23.03.2014

Dadurch, dass ich mit Praktikawelten hierher gekommen bin, habe ich die Möglichkeit, das SWAP-Office hier in Vancouver zu nutzen. Am Mittwoch kamen einige Teilnehmer von Praktikawelten hier im Hostel an und am Donnerstag mussten wir alle pünktlich um 11:00 Uhr im Büro sein, dort gab es dann einen PowerPoint-Vortrag für uns. Ich hatte nicht viel erwartet, dafür aber relativ viel bekommen! Yasmin und Carla sind super nett und haben uns alles erklärt, was man wissen muss. Man kann immer ins Büro kommen, um nach Jobs oder Wohnungen zu suchen und Drucker und Internet dort benutzen.

Am Donnerstag bin ich beim täglichen Hostel-Trip zum Lynn Canyon mitgefahren. Das Highlight dort ist die Hängebrücke die über den kleinen Canyon führt. Schnell bildete sich ein kleines Grüppchen, bestehend aus dem deutschen Tobi, dem schwedischen Peder, meiner Zimmermitbewohnerin Tabitha aus Berlin und meiner Wenigkeit. Wir erkundeten gemeinsam die Natur und waren die Letzen von der Reisegruppe, die zum Hostel zurückkehrten.

 

Am nächsten morgen war ich wieder zu unmenschlichen Zeiten wach und da ich nicht mehr schlafen konnte, bin ich einfach aufgestanden und zum Hafen gegangen, um mir den Sonnenaufgang anzugucken. Zum ersten mal wurde mir so richtig klar, dass ich in Vancouver angekommen bin. Auf dem Rückweg habe ich dann mitbekommen, wie die Stadt so langsam aufwacht, die Menschen mit ihnen Tim Hortons Bechern zur Arbeit huschen und der alltägliche Stress in Vancouver anfängt.

 Am Freitagabend habe ich mich wieder mit Mike und seinem schwulen Freund aus Sidney getroffen. Wir haben erneut den furchtbaren Wein getrunken und uns dann dazu entschlossen, ins Celebrities zu gehen, der größte und mit Abstand teuerste Club hier in Vancouver. Dort haben wir dann eine Stunde angestanden, weil DER DJ schlechthin da war: TJR (Ich hab keinen blassen Schimmer wer der Kerl war aber er war echt der Hammer!). Es war ein superwitziger Abend, aber auch hier endete die Nacht früh, da in Canada um 2:00 Uhr, wenn man Glück hat um 3:00 Uhr, die Lampen angehen und alle rausgeworfen werden...

 

Vancouver, du siehst gut aus!

Mittwoch, 19.03.2014

Ich glaube, ich habe endlich den Jetlag überwunden! Mir ist es tatsächlich 2 Mal passiert, dass ich so müde war, dass ich unbedingt um 20:00 Uhr für ein Stündchen schlafen wollte. Wie zu erwarten was das Stündchen dann immer 7 oder 8 Stunden lang, also war ich mitten in der Nacht hellwach. Aber so trifft man die witzigsten Leute, wie zum Beispiel Mike, der eine Staße weiter wohnt. Er führte mich am Mittwoch durch ganz Vancouver. An diesem Tag war ich gleich zwei Mal bei Tim Horton, habe die schlimmsten Ecken von Vancouver gesehen, war in Gastown und habe mit Old Gassy und der Steam Clock ein Foto gemacht, war in Chinatown, habe eine halbe Stunde einem obdachlosen Straßenmusiker zugeguckt, wie er jeden Menschen, der vorbei geht, in seinen Lieder beleidigt, wurde auch von ihm beleidigt, weil ich so doll lachen musste, habe den billigsten Wein im Liquor Store gekauft (für stolze 7$!), bin in die coolste Bar Vancouvers und habe dort der Livemusik gelauscht, bin danach in 2 Clubs gewesen, wo ich die Jungs von meiner ersten Nacht hier getroffen habe und bin dann todmüde ins Bett gefallen.

 

Da ich mich nicht nur von Fastfood ernähren kann, haben Daniel und ich uns auf den Weg zum "Billigsupermarkt" gemacht. Essen ist hier schweineteuer, so wie fast alles... Der Nofrills ist rund 2 km vom Hostel entfernt und nicht leicht zu finden... Aber der Weg hat sich gelohnt: Ich habe mich mit Essen eingedeckt für die nächsten paar Tage und dabei haben wir auch noch den English Bay erkundet!

 

Vancouver gefällt mir sehr, obwohl die Stadt ein gigantisches Problem mit Obdachlosen hat. Nach ein paar Tagen hier kennt man schon die berühmtesten, da alle Minute jemand nach Geld fragt und sie die Menschen mit verrückten Tricks davon übezeugen wollen, dass er oder sie auf jeden Fall das Geld wert sei. So gibt es zum Beispiel den "Smile if you masturbate"-Mann oder den Löffel-Joe, der Musik mit seinen zwei Löffeln macht. Auf dieses Bild hat sich "Crazy Eyes" geschlichen:

Von Anschlussflügen und Immigrationsproblemen

Montag, 17.03.2014

Mit meiner Mama zum Flughafen zu fahren, ist immer wieder aufs neue ein Abenteuer! Nachdem wir natürlich nicht um 'spätestens 9:00 Uhr' losgefahren waren, durften wir uns auch noch in einen Stau einreihen. Am Flughafen angekommen fiel der Abschied durch die sehr begrenzte Parkzeit kurz jedoch nicht schmerzlos aus. Also ging es los, ab über den großen Teich. Mein eigener Fernseher half mir über den rund 10-stündigen Flug und ich guckte Gravity und American Hustle, hörte Musik oder starrte auf das kleine Flugzeug auf meinem Display, was sich einfach nicht bewegen wollte... Wir begrüßten auch die kanadischen Paralympics Athleten an Board, was ja schon ganz schön aufregend war. Das Beste am Flug nach Calgary war, dass ich 2 Sitze und ein Fenster für mich ganz alleine hatte.


Meinen Anschlussflug von Calgary nach Vancouver verpasste ich leider, da mein Rucksack einfach nicht kommen wollte. Dort lernte ich auch Daniel kennen, der das gleiche Schicksal teilte. Auch er hat 7 Nächte im Samesun Hostel in Vancouver gebucht und so hatten wir das selbe Ziel. Wir buchten den Flug um auf 2 Stunden später und mit Schrecken stellte ich fest, dass ich mich aus Versehen durch die Immigration gemogelt hatte. Wie das passieren konnte, konnten sich weder das Personal noch ich erklären. Also für mich bitte eine Extrawurst, danke. So wurde ich mit viel Stress für das Personal wieder zum Immigration-Point geleitet, wo ich schon mit 'Ah, you are Jasmin, right?' begrüßt wurde. Mit meiner Arbeitserlaubnis wurde ich wieder durch die Undercover-wege in die Freiheit gelassen.

Mit einer kleinen Maschine ging es dann endlich nach Vancouver. Dort angekommen fuhren wir mit dem Skytrain erst einmal schwarz zur nächstgelegenen Station am Hostel, welches eine super Lage hat mitten im Nightlife von Vancouver. Nicht zu vergessen: Es war St. Patricks Day und so mussten wir uns 3 Blocks durch betrunkene, grün gekleidete Menschen quetschen. Im Hostel endlich angekommen checkten wir ein, verstauten unsere Sachen im Zimmer und gingen dann etwas die Gegend erkunden, was nicht allzu lange dauerte, da wir uns dazu entschlossen, in die Hostelbar auf ein Bier zu gehen. Dort trafen wir auf viele Menschen und landeten im Endeffekt mit 2 Ukrainern und einem Israeli in einem völlig leeren Gay-Club im Gay-Viertel und tanzten uns die Füße wund, zumindest für 2-3 Songs. Nach diesem langen Tag, war ich froh, als ich endlich im Bett war!

Los geht's!

Sonntag, 16.03.2014

Nachdem ich in den letzten 4 Monaten etwas zu oft mit den Worten 'Wie? Du hier? Ich dachte du wärst in Italien/Griechenland/Irgendwo, nur keinesfalls in Deutschland!' begrüßt worden bin, hab ich jetzt gute Neuigkeiten für euch: Ihr seid mich wieder los!

Morgen füh um 9:00 Uhr geht's los nach Frankfurt, um dann den Flieger nach Calgary zu erwischen, wo ich versuchen muss, nicht verloren zu gehen und den nächsten Flieger zu bekommen, um dann schließlich nach mehr als 13 Stunden in meiner neuen Heimat Vancouver anzukommen. Wem das immer noch nichts sagt: Ich werde die nächsten 5 Monate in Kanada verbringen, diesem unscheinbaren, kleinen Land irgendwo über Amerika.

In den letzten Tagen hab ich mich von vielen Menschen verabschiedet aber mit Sicherheit auch einige vergessen. Seid mir nicht bös, ich war echt im Stress und meine das nicht persönlich (an dieser Stelle noch mal sorry Schoki!). Mein Rucksack ist heute ohne Probleme zu gegangen und wiegt nur läppische 13 Kilo. Wenn ich überlege, dass ich für einen guten Monat arbeiten in Italien, in dem ich 6 Tage die Woche meine Arbeits-Kleidung gestellt bekommen habe, tatsächlich mit 22,9 Kilo angereist bin, überkommt mich leichte Panik. Wird schon schief gehen irgendwie...

Jetzt geht es aber ab ins Bett, der nächste Beitrag kommt dann wohl von drüben ;)